Auf großes Interesse stieß die Veranstaltung der Gilchinger Grünen „Die Glatze als Chance – Nachhaltig planen. Zukunft gestalten.“ am 21. Januar im Rathaussaal, zu der über 70 Besucher*innen gekommen waren. Im Mittelpunkt standen wissenschaftlich fundierte Ansätze für eine klimagerechte und sozialverträgliche Entwicklung des Quartiers.
In ihren Fachvorträgen zeigten die Referentinnen konkrete Möglichkeiten für eine zukunftsfähige Quartiersentwicklung auf. Melanie Kude, Architektin und Bürgermeisterkandidatin der Gilchinger Grünen, hob die städtebaulichen Chancen eines modernen, nachhaltig geplanten Quartiers hervor. Räume für Grünflächen, Erholung und Begegnung gehörten ebenso zu einem funktionierenden Quartier wie ein Bürgerhaus, eine Gilchinger Insel für Engagement und Vernetzung. Dr. Lisa Bock, Gemeinderätin und Klimawissenschaftlerin, machte die Attraktivität klimagerechter Mobilitätskonzepte deutlich: „Statt den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren, wird nach mehr Stellplätzen gerufen – das ist ein Widerspruch. Es gilt jetzt für die Zukunft zu planen. Jede Tonne CO?, die wir einsparen, wirkt gegen die Erwärmung.“ Vor den langfristigen Folgen einer kurzsichtigen Bodenpolitik warnte Suzana Breitenherdt, Immobilienfachwirtin und Gemeinderatskandidatin und mahnte einen verantwortungsvollen Umgang mit Gemeindeflächen an. „Wer als Gemeinde leichtfertig Grund verkauft, um kurzfristig den Haushalt aufzubessern, verliert Gestaltungsspielraum“, so Breitenherdt.
Gastreferentin Ursula Sowa, baupolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, erläuterte den Nutzen des Schwammstadt-Prinzips als zentralen Baustein für Hitze- und Hochwasserschutz. Anhand praxisnaher Beispiele wie wasserdurchlässiger Beläge, Fugenbegrünung, gut integrierter Rückhaltebecken, gepflegter Altbaumbestände oder bepflanzter Dächer zeigte sie auf, wie solche Maßnahmen nicht nur das Klima schützen, sondern auch Abwasserkosten senken können.
Kritisch setzten sich die Grünen mit der jüngsten Kehrtwende im Gemeinderat auseinander. Ursprünglich hatte das Gremium bereits Ende 2017 einstimmig einen Bebauungsplan für die Glatze beschlossen, der etwa 50 Prozent Grünflächen, eine zukunftsweisende Planung und einen Stellplatzschlüssel von einem Autostellplatz pro Wohneinheit als Richtwert vorsah. Im Oktober 2025 setzten jedoch CSU, FW, BfG und FDP mit einer Mehrheit von nur einer Stimme im Gemeinderat durch, das sogenannte Bahnwegerl für den Autoverkehr zu öffnen und die Zahl der Stellplätze nahezu zu verdoppeln. Verglichen wurde von den antragstellenden Parteien mit dem ungleich größeren Neubaugebiet in Freiham, bei dem mit einem wesentlich niedrigeren Stellplatzschlüssel von 0,25 pro Wohneinheit geplant wurde. „Der Vergleich hinkt. Und grundsätzlich gilt, mehr Stellplätze und Tiefgaragen treiben die Baukosten in die Höhe, was der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum entgegensteht“, argumentierte Melanie Kude.
Die Grünen plädieren für ein ganzheitliches Mobilitätskonzept mit Ortsbus, guter Fuß- und Radinfrastruktur und Leihangeboten, eine konsequente Anwendung des Schwammstadt-Prinzips zur Klimafolgenanpassung, sowie für echte Bürger*innenbeteiligung. Auch Gemeinderätin Diana Franke sprach sich für ein Umdenken aus: „Wir brauchen Mut zum Umsteuern – nicht für Autos, sondern für Menschen bauen – mit sicherer Infrastruktur für alle.“
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