Herausforderungen und aktuelle Entwicklungen in der Asylpolitik – Vortrag und Diskussion mit Christine Kamm

Unter der Überschrift „Herausforderungen und aktuelle Entwicklungen in der Asylpolitik“ haben die Gilchinger Grünen am 23.4.2015 zu Vortrag und Diskussion mit Christine Kamm eingeladen. Die Referentin ist für die Grünen im Landtag als Sprecherin für Europa-, Asyl- und Integrationspolitik tätig. 

Christine Kamm, Barbara Gehrke und Anja Kiemle

Wie Christine Kamm berichtete, sind weltweit 52 Millionen Menschen auf der Flucht. Etwa eine halbe Million dieser Flüchtlinge kommt nach Europa. Laut Aussagen der Industrie- und Handelskammer können zur Zeit bayernweit 130 000 Arbeitsplätze nicht besetzt werden – es wäre also auch im Sinn der deutschen Wirtschaft gut, Asylberwerber von Anfang an in professionellen Deutschkursen zu unterrichten. Damit könnten sie ihre im Heimatland oft schon erworbenen Qualifikationen sofort einsetzen, sobald sie eine Arbeit aufnehmen dürfen. Darüber hinaus sollte die Zeit bis zur Genehmigung der Arbeitsaufnahme verkürzt werden, fordert Kamm.
Langfristige Hilfe für Kriegsgebiete könne Deutschland leisten, indem z.B. syrischen Flüchtlingen Schulbesuch und Ausbildung ermöglicht wird. Nach der Rückkehr in die Heimatländer können diese Menschen dann sofort zur Stabilisierung der Region beitragen. So werde verhindert, dass eine ganze Generation ohne Bildung und Perspektive bleibt.
Zur Sprache kam auch die bevorstehende Einrichtung einer Sammelunterkunft für 200 Asylbewerber auf dem Gilchinger Festplatz. Christine Kamm hatte in diesem Zusammenhang Bedenken und riet eher zu Unterkünften mit etwa 50 Personen. Ihrer Meinung nach entstehen durch die Unterbringung in Massenunterkünften Probleme, die dann mühsam und personalintensiv wieder gelöst werden müssen. Generell sei es dringend notwendig, die Mittel für den sozialen Wohnungsbau aufzustocken – das käme allen Menschen mit einem geringeren Einkommen zugute. Kamm schlägt vor, dass Bauprojekte nur dann genehmigt werden sollen, wenn ein bestimmter Anteil zur Schaffung von günstigem Wohnraum verwendet wird.
Eine Gruppe von Diskussionsteilnehmern aus dem rechten Spektrum versuchte, Antipathien gegen Flüchtlinge zu schüren. Andere Anwesende wiesen dagegen auf die psychische Belastung der Asylberwerber durch hoffnungslose Zustände im Heimatland, traumatische Fluchterlebnisse, Sorge um zurückgelassene Angehörige und die unklare Zukunft hin. Sie betonten die unbedingte Notwendigkeit zu helfen.

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