Ein Jahr Gemeinderatsarbeit – Ein Erfahrungsbericht

Martin Pilgram berichtet:

Jetzt blicke ich auf ein Jahr Arbeit als Gilchinger Gemeinderat zurück. Und vieles in der Arbeit habe ich mir anders vorgestellt.

Als Ersatz für Kevin Akpomuje bin ich nachgerückt und habe alle seine Aufgaben mit übernommen, also keinen großen Gestaltungsrahmen für meine Aufgaben vorgefunden. Trotzdem muss ich nach einem Jahr feststellen, dass ich nicht frustriert bin, sondern, dass die Arbeit interessant ist und Spaß macht, vor allem, wenn ich eigene Vorstellungen einbringen kann.

Als erstes das Arbeitsaufkommen. Wenn ich überlege, was ich investiere, fällt es mir schwer, mir vorzustellen, all diese Arbeit neben einem normalen Vollzeitjob noch unterzubringen. Klar, wir sind nur zu dritt im Gemeinderat und müssen dann so die Arbeiten verteilen, aber andere Parteien sind noch kleiner.

Deutlich wird der Arbeitsaufwand zu Beginn des Jahres bei der Aufstellung des Haushaltes. Viele Zahlen sind durchzusehen und auf Konsistenz zu prüfen und das alles auf der Basis von hunderten Seiten Papier bzw. PDF-Dateien. Eine Auslieferung der Zahlen als Exel-Tabellen lehnte der Finanzausschuss ab. Er kann sich irgendwie wohl nicht vorstellen, dass damit auch die Arbeit von Gemeinderäten erleichtert werden könnte.

Dann ist der Umgang miteinander doch pfleglicher als erwartet. Von manchen Besuchen als Zuhörer zuvor hatte ich anderes in Erinnerung und damit auch anderes erwartet. Man ist halt Grüner und wird damit oft nur als Oppositioneller wahrgenommen.

Wie fallen Entscheidungen im Gemeinderat? Vieles wird von der Verwaltung vorgelegt und dann abgesegnet. Wenn die Parteien Anträge einbringen, wird fast immer den Entscheidungsvorlagen der Verwaltung gefolgt. Vieles wird also vor der Gemeinderatssitzung „ausgemauschelt“, was heißt man muss mit den Zuständigen in der Verwaltung sprechen um deren Befindlichkeiten kennenzulernen und sie dann auch für die eigene Politik zu gewinnen.

Daneben fallen natürlich auf der Ebene der Ausschüsse auch schon viele Entscheidungen, oder werden dort dem Gemeinderat zur endgültigen Entscheidung vorgelegt. Und hier haben die Grünen dann nur noch eine Stimme, was die Durchsetzung von Grünen Vorstellungen weiter erschwert.

Aber trotzdem haben wir uns als Grüne im letzten Jahr nicht entmutigen lassen. Nicht jeder unserer Anträge wurde abgelehnt. Aber wir stellten die meisten Anträge der im Gemeinderat vorhandenen Gruppierungen, nämlich 18. Von der SPD kamen im gleichen Zeitraum 6, von der CSU 2 und Frau Brosig steuerte einen Antrag bei. Andere Fraktionen reagieren nur auf das, was die Verwaltung vorlegt.

Auf der Grünen Homepage kann man meine Sicht auf die Themen und Entscheidungen des Gemeinderates nun nach jeder Sitzung nachlesen. Ich hoffe damit auch für die Nichtanwesenden neben den Berichterstattungen der Zeitungen noch eine interessante weitere Informationsmöglichkeit angeboten zu haben.

Zum Schluss noch eine ganz andere Feststellung. Wen kannte ich vor einem Jahr aus der Verwaltung. Praktisch keine Person. Nicht, dass ich jetzt jeden in der Verwaltung kenne, aber die Organisation und die Köpfe dahinter sind mir doch viel nähergekommen.

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