Ausschuss zögert mit Beschluss über Asphaltwerk

Süddeutsche Zeitung vom 17.12.2008

Bedenken und Proteste aus St. Gilgen zeigen Wirkung: Weitere Verhandlungen mit Gottfried Jais

Der Protest gegen die geplante Ansiedlung von zwei Asphaltmischanlagen westlich von St. Gilgen hat Folgen: Es gebe „noch sehr viele offene Fragen“, sagte CSU-Gemeinderat Harald Schwab am Montag im Gilchinger Bauausschuss. Er forderte, die Entscheidung zu vertagen – trotz nunmehr dritter Auslegung der Be­bauungspläne und eines Gutach­tens, das die Umweltverträglich­keit attestiert. Mit klarer Mehr­heit folgte der Ausschuss dem An­trag. Die Gegner der Bitumenwer­ke errangen damit sicher einen Punktsieg. Zudem könnte bald auch ein Bürgerbegehren die Um­zugspläne gefährden.

Nach dem Votum des Ausschus­ses sollen jetzt weitere Gespräche vor allem mit Kieswerksbetreiber Gottfried Jais junior geführt wer­den. Dabei geht es auch um die Befürchtungen von Einwohnern, dass der Schwerlastverkehr auf der Weßlinger Straße „unerträg­lich“ werden könnte, wie es in Ein­wendungen im Rahmen des Bebau­ungsplanverfahrens heißt. Erneut warnte zudem Hans-Dieter Moeh­ring (SPD) vor Geruchs-und Lärm­belästigungen durch den West­wind, der die „Waldkolonie voll treffen“ würde. Er betonte auch, dass ein neuer Standort für die Jais-Mischanlage nur zu akzeptie­ren sei, wenn das alte Werk am Tal­bauernweg dafür „ohne Wenn und Aber verschwindet“.

Peter Unger (Grüne) mahnte, „keine Landschaft zu zerstören“, und dass „Industrieanlagen“ bei St. Gilgen nicht zu verantworten seien. Er monierte, dass bei einer Besichtigung eines vergleichba­ren Werkes in Moosburg am dama­ligen Tag jene Anlage nicht lief. Jais als Antragsteller haben die Fahrt für die Ausschussmitglieder gemäß „seinen Interessen ge­zahlt“, so Unger.

Georg Krieg (FWG) sagte, in dem „abgekapselten System“ der Mischanlagen würden eventuell nur bei Ladevorgängen Geruchs­belästigungen auftreten. Diese dürften „eine untergeordnete Rol­le spielen“, meinte Krieg.

Wie berichtet, will in dem Kies­abbaugebiet auch die Firma Schulz aus Großweil bei Murnau ein Werk bauen. Gegen die Projek­te sind mittlerweile unter dem Te­nor „Keine Dreckschleudern vor unserer Nase“ mehr als 800 Protestunterschriften gesammelt wor­den. Anwohner aus St. Gilgen fürchten dauerhaften Gestank, Lärm und gefährlichen Staub. Schließlich wären die geplanten Anlagen – für die Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet heraus­genommen worden sind – nur 550 bis 650 Meter von nächsten Häu­sern entfernt.

Hinsichtlich der vielen Einwen­dungen verweist die Verwaltung unter anderem auf den modernen Standard der Werke, die auch in der Hochsaison nur nach Auftrags­lage produzieren würden.

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