Torffreies Gilching

– abgelehnt –

Sehr geehrte Damen und Herren,
für die nächste Gemeinderatssitzung am 28. Januar 2014 stellen wir folgenden

Antrag:

  1. Die Gemeinde Gilching verwendet keinen Torf und auch keine Substrate, die torfhaltig sind. Neben torffreien Erden werden Kompost, Mulch und Substrate aus aufbereiteter Biomasse aus der Biotonne eingesetzt. Bei der Pflanzenauswahl wird darauf geachtet, dass Pflanzen (betrifft vor allem Zierpflanzen) gewählt werden, die dem entsprechenden Boden zusagen.
  2. Der Verzicht auf Torf und torfhaltige Produkte wird in der Friedhofssatzung verankert. Auf den Friedhöfen wird (wie in Kempen in Nordrhein – Westfalen) kostenlos Kompost bereitgestellt.
  3. Bei entsprechenden Vergaben der Gemeinde Gilching wird in die Ausschreibung die Anforderung torffrei aufgenommen.
  4. Es sollte für die Bürgerinnen und Bürger in Gilching möglich sein, torffreien Kompost an einer bestimmten Stelle in der Gemeinde abzuholen. Die Grüngutsammelstelle wäre ein geeigneter Ort dafür. Die Verwaltung wird beauftragt, dies zu prüfen.
  5. Die Gemeinde Gilching wirbt in der Bevölkerung für die Verwendung von torffreien Erden.

Begründung:

Trotz ihres geringen Flächenanteils von rund 3 Prozent weltweit haben Moore eine immense Bedeutung als Kohlenstoffspeicher. Moore binden mehr Kohlenstoff pro Hektar als tropische Regenwälder. In Mooren ist weltweit doppelt so viel Kohlenstoff gespeichert wie in allen Wäldern zusammen.

Moorschutz ist Klimaschutz. Die in deutschen Mooren gespeicherte Kohlenstoffmenge beträgt 1,2 Milliarden Tonnen, davon rund ein Sechstel in Bayern. Durch Trockenlegung und Abbau wird der Kohlenstoff in die Atmosphäre als Kohlendioxid freigesetzt und erhöht dadurch den Treibhauseffekt. Nur intakte Moore können Kohlenstoff speichern. Doch nur noch knapp ein Prozent der Moore kann man als „natürlich“ bezeichnen. Die Emissionen aus entwässerten Mooren entsprechen ca. 4,5 Prozent der deutschen Gesamtemissionen an CO2.

Durch den Abbau der Torfflächen werden nicht nur das Klima geschädigt, sondern auch hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenwelt unwiederbringlich zerstört. Zwölf Millionen Kubikmeter Torf werden in Deutschland jährlich verbraucht, in etwa zwei Millionen davon im Hobbybereich verwendet.

Heute wird in Deutschland vorwiegend in norddeutschen Mooren auf einer Fläche von 4000 Quadratkilometern Torf abgebaut. Werden die Moore im derzeitigen Tempo weiter zerstört, sind die in Deutschland zum Abbau genehmigten Torfvorräte in spätestens zehn Jahren erschöpft. Ein großer Teil der heute in Deutschland verwendeten Torfe kommt inzwischen aus Estland, Lettland und Litauen, dort setzt sich die Moorzerstörung fort. In Bau- und Gartenmärkten stapeln sich nach wie vor Torfballen und torfhaltige Gartenerde.

Aufgrund einer neuen Gesetzeslage ist es für die VerbraucherInnen nicht mehr möglich, die Zusammensetzung, die früher klein gedruckt auf der Rückseite des Sackes stand, zu erfahren. Frühere Angaben gingen von 80 bis 100 Prozent Torfanteil aus.

Im Dezember 2012 haben der Arbeitskreis Gartenbau beim Bayerischen Städtetag mit Vertretern des Bund Naturschutz Bayern über die Verwendung von Torf in den Städten diskutiert. Im Informationsbrief 1/2013 des Bayerischen Städtetags wird berichtet, „dass es auch der Zielsetzung der Mitgliedsstädte entspricht, auf die Verwendung torfhaltiger Substrate zu verzichten.“ Torf im Aufzuchtbereich sei aber „derzeit noch unersetzbar.“ Im kommunalen Bereich würden aber Untersuchungen über alternative Produkte auch für die Aufzucht durchgeführt.

Betont wird: „Städte und Gemeinden können hier eine Vorbildfunktion erfüllen.“

Die Gemeinde Gilching sollte hinsichtlich der Verwendung von torffreien Produkten mit gutem Beispiel vorangehen

In Deutschland gibt es bereits eine Reihe von Kommunen, die auf torffreie Produkte achten: Die Städte Kempen, Willich, Grefrath und Tönisvorst (alle in Nordrhein-Westfalen) haben den Verzicht auf Torf in die Friedhofssatzungen aufgenommen.

Die Allgäuer Moorallianz, eine Initiative der Allgäuer Landkreise und kreisfreien Städte, wirbt im Rahmen einer umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit für die Bedeutung der Allgäuer Moore und für torffreie Blumen- und Pflanzerde aus der Region.

Der Verzicht auf Torf und torfhaltige Substanzen ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter Unger

Gemeinderatssitzung 28.1.2014:

8. Torffreies Gilching (Antrag des GR Unger, Bündnis 90 Die Grünen, vom 14.1.2014)

Nach ausführlicher Diskussion stellt GR Reich einen Antrag zur Geschäftsordnung auf Zurückstellung des Antrages bis die Klimaschutzbeauftragte des Landratsamtes Starnberg, Frau Anderer-Hirt, dieses Thema federführend landkreisweit behandelt.

Abstimmungsergebnis:
Zustimmung: 16
Ablehnung: 5

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